Aktueller Hausbrief

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liebe freunde der vierten sparte,

sie setzen düfte ein. ich mag dieses „sie“. „sie“ sind hinter mir her. „sie“ haben sender in den plomben meiner zähne installiert. „sie“ wissen alles, denn „sie“ speichern daten auf vorrat, erstellen bewegungsprofile, datenbanken voller vorlieben und kaufabsichten. dieses „sie“ ist der kern aller verschwörungstheorien. verschwörungstheorien waren leider nur solange lustig, wie sie einen gewissen grad an unwahrscheinlichkeit in sich trugen. „sie“ (wir) waren gar nicht auf dem mond. elvis lebt. usw. aber heute mehr denn je gilt das schöne wort von robert anton wilson: „just because you're not paranoid doesn't mean they're not plotting against you.“ es steckt ein kern von konstatierter fahrlässigkeit in diesem zitat. so ein „pass bloß auf, denn du müsstest es besser wissen!“ ich mag auch die kleine aber entscheidene abwandlung des o.g. satzes, welche kurt cobain zugeschrieben wird: „just because you’re paranoid doesn’t mean they aren’t after you.“ das ist gehässiger, denn es puhlt in den wundes des vermeintlich verfolgten. du bist zwar beknackt, aber deine angst ist trotzdem völlig begründet. jedenfalls tragen beide fabelhaften sätze dieses „they“ in sich. ich habe mal eine liste dieser „sie“s angefertigt: zuvörderst alle staats- und verfassungsschutzvereine, angefürt vom c.i.a und dem mossad… dann facebook, apple, google, microsoft. ich denke, darin sind wir uns, paranoid oder nicht – einig. al qaida sicher. das sind die üblichen. jetzt wäre der militärisch-industrielle komplex dran: halliburton & die assozierten hedgefonds & ihre vorposten: die economic hit men. das sind leute, die aussehen wie entwicklungshilfefunktionäre; und die schwellenländern prima kredite andrehen mit denen die dann (gerne us-amerikanische) konsortien bezahlen, die infrastrukturen ausbauen, die diesen ländern nichts nutzen. dafür floriert aber der schuldendienst. wo ich bei den griechen (und den spaniern etc.) wäre. also: als verschwörungsdings muss ich anehmen, dass ein in schulden strangulierter staat nicht zwingend die folge von puffparties der herschenden klasse sein muss, sondern vielleicht auch das ergebnis von gezielt unseriöser kreditvergabe mit der absicht, den schuldner, welcher nicht bedienen kann, ordentlich zu (zer)rupfen. spötter nennen das die „südamerika-methode“ (s.o.). jetzt aber die griechen... haben sich die verschwörer vertan? weil: blöd sind „die“ ja eher nicht. böse, ja. aber selten dämlich… wem also nutzt die gegenwärtige situation? oder die armen spanier… das ist natürlich maximal hinterfotzig, dass die ehemaligen inkas die spanischen infrastrukturfirmen kurzerhand verstaatlichen, weil diese die gewinne behalten, statt sie vor ort zu reinvestieren. re-inka-isieren. das ist eine ganz böse retourkutsche, eine offensive umdeutung der „südamerika-methode“. jaja, diese söhne der sonne haben auch ihre ecomoic hit men. aber viel weniger subtil. und das ausgerechnet jetzt, wo den spaniern daheim ohnehin schon die patte ausgeht. und die derzeitigen spanischen entscheider, die sind so wuschig geworden, als sie jeden tag „verstaatlichung“ in den zeitungen gelesen haben, so wirr darüber, dass sie das jetzt auch gemacht haben. mit der „bankia“. ich finde auch: banken mit einem so bescheuerten namen gehören unter staatliche aufsicht. wenn jetzt die spanier auch noch wählen dürften… dann wäre der euro noch hinübener als es gegenwärtig ohnehin schon den eindruck macht. man sollte die sache mit der demokratie einfach nochmal überprüfen, ob die ganze wählerei überhaupt noch marktkonform ist… was wollte ich gleich?

 

ach so: sie setzten düfte ein. hochspezialisierte und ebenso bezahlte pheromonlaboranten besprühen kunden/gäste/komsumenten/verbraucher mit zeug, das riecht. oder kaum riecht. aber sofort wirkt, denn bis unsereins über botenstoffe überhaupt nachdenkt, das heißt sich den gestank bewusst macht, da muss schon eine saubere überdosis vorliegen. die nase, dieses schelmische organ schickt diese informationen voller kaufanreize nämlich nicht in den rationalen teil der hirnrinde sondern gleich ins eingemachte. was mich in dem zusammenhang brennend interessieren würde: gibt die versuchsgruppe mit heuschnupfen signifikant weniger geld für schnickschnack aus, oder wirkt das - egal – an den wässrigen schleimhäuten vorbei? fragen über fragen. wir von der paranoikerfront bleiben dran.

 

teils bestens begründete paranoia treibt die beiden protagonisten der „sommernacht“ auf die verregneten straße edinburghs. der eine hat zuviel geld, welches ihm nicht gehört und die falschen wissen davon. die andere ist vielleicht schwanger (vielleicht auch nicht), und sie lebt im falschen beruf, ist falsch liiert, hat die der falsche verwandschaft im falschen leben. doch statt sich von der paranoia lähmen zu lassen, machen die beiden erstmal richtig gründlich einen drauf. was konsequenzen hat… ein theaterstück mit schön absurden liedern ist das. heute, morgen und am sonntag.

 

nächste woche freitag (18.) ist dann so richtig paranoia. unsere letzte premiere in dieser spielzeit. „worst case“ von kathrin röggla. was für ein text! eine katastrophen-berichterstattungs-grammatik. im konjunktiv, denn nichts genaues weiß man nicht. ist draußen apokalypse? noch? oder ist wieder alles ganz normal? und: was ist eigentlich genau passiert? gefangen in den panic rooms und schutzbunkern des abendlands deklinieren die damen kohl und krestan sowie die herren bausch, meininger und sandmeyer die größten anzunehmenden unfälle durch, die „worst cases“, in welchen sie sich offensichtlich (vielleicht) gerade befinden. dabei weicht das draußen zunehmend dem irren (irr gemachten) inneren, und zwar so gründlich, dass man es auch als zuschauer mit kaltem schweiß zu tun kriegt.

 

ein liebligsprojekt könnte das werden. am samstag (19.). „the culture in memoriam“ aus schweden, die band um victor håkansson aus malmö. „rest in pieces“ ist der schöne, beruhigend paranoide titel der aktuellen cd. so ist die musik: choral, laut, verspielt, verglockenspielt, ruppig, sarkastisch, wütend, endlos trickreich. kurz: hervorragend. dies ist ein konzert, auf welches ich mich persönlich freue wie bolle. so lieblich: http://www.youtube.com/watch?v=G5y3MDekcnc. so klever: http://www.youtube.com/watch?v=3wRt94Cpqlw. so fies: http://vimeo.com/39662815

 

ängstlich um sich blickende grüße,
diem&team

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freitag 11.5., 20h
„eine sommernacht“, theater (mit musik) von david greig und gordon mcintyre

samstag, 12.5., 20h „
eine sommernacht“, theater (mit musik) von david greig und gordon mcintyre

sonntag, 13.5., 20h
„eine sommernacht“, theater (mit musik) von david greig und gordon mcintyre

freitag, 18.5., 20h
„worst case“, theater von kathrin röggla *** premiere ***

samstag, 19.5.,
21h „the culture in memoriam“(swe), konzert, indie

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