Theater

Fup

Fup

nach dem Roman von Jim Dodge

Inszenierung: Christoph Diem

Bühne/Kostüme: Gregor Wickert

Musik: Oliver Ziegler

Mit: Gertrud Kohl, Merten Schroedter, Boris Pietsch

€ 10/5  (Musik-Produktion)

Termine: 01.04. 10.04. 09.05. 11.06. 12.06.

«Trink dies. Sei still. Du wirst ewig leben.» Ein alter Indianer verleiht Granddaddy Jake Unsterblichkeit. Zeit genug also, den perfekten Whiskey zu brennen. Als dem Rauhbein Jake das Geld ausgeht, adoptiert er seinen reichen Enkel Tiny. Gemeinsam ziehen sie Fup auf, eine kompromisslose, zwanzigpfündige Wunderente. «Fup» ist voller Wunder und skurriler Gestalten. Jim Dodge hat einen fantastischen Neo-Western über nicht weniger als das Leben und das Sterben geschrieben, der eigens für die sparte4 dramatisiert und mit viel Musik inszeniert wird.

 

das sagt die presse:

17.11.2008

Komische Transzendenz: Fup
Eine Familiengeschichte mit Liedern und Ente

Die sparte4 des Staatstheaters zeigt derzeit "Fup", ein Theaterstück nach einem Roman von Jim Dodge - laut Ankündigung "ein psychedelisches Märchen für Erwachsene, Neo-Western und Liederabend über die Unsterblichkeit". Rundum gelungen.

In "Fup" geht es um die (Un-)Sterblichkeit. Im Mittelpunkt des Abends steht eine 26 Pfund schwere Stockente. Das sagt einerseits schon alles. Andererseits: Dieser Roman von Jim Dodge mag metaphernreich und witzig sein, aber mach daraus erst mal ein Theaterstück!
Christoph Diem ist das auf amüsante, kurzweilige und gleichzeitig tiefgründige Weise gelungen. Weil er auf drei hervorragende Schauspieler zählen kann, und weil er diese seltsam anrührende Geschichte über den Tod gekonnt musikalisch untermalt. Gemeinsam mit Oliver Ziegler hat er „Fup“ in der sparte4 zum Theaterstück mit Liederabendcharakter gemacht.


Einfache Musik für eine einfache Geschichte


Es sei eine einfache Geschichte, sagt Diem, und deshalb habe er einfache Musik gewählt. Aber nicht irgendwelche, sondern „Songs mit Essenz“. Darunter Countrysongs, wie sie in die kalifornischen Hügel passen. Als die schwergewichtige Ente Fup das Fliegen lernen soll, singen Oliver Ziegler und die Schauspieler „I‘ll fly away“ von Albert E. Brumley (uralt und wunderschön: von 1929): „I’ll fly away, when I die, Hallelujah, by and by, I’ll fly away“, und nehmen damit vorweg, was später auch wirklich passieren wird…
Als Granddaddy Jake stirbt, singt Merten Schroedter mit seiner einmalig kehligen Stimme „Brothers in Arms“ von den Dire Straits. Und das klingt dann so, wie man es garantiert noch nie gehört hat. War das immer schon so ein gutes Lied? Das überrascht.


Gespenstisch gut


Gertrud Kohl ist unter ihrer Baseball-Kappe ein grandios launiger und Gitarre spielender Granddaddy Jake, Merten Schoedter ein glücklich-den-Kopf-wiegender, trommelnder Tiny und Boris Pietsch ein umwerfend schamanisch anmutender Indianer Johnny Seven Moons. Besonders beeindruckend ist er, als er nach Jimi Hendrix ankündigt „If I don’t meet you no more in this world then I’ll meet you in the next one and don’t be late!“. Gespenstisch gut. Über weite Strecken erzählen die drei ihre Geschichte, aber immer wieder verfallen sie plötzlich in Dialoge. Die Stockente Fup kommt erst kurz vor der Pause ins Spiel. Denn zuvor müssen wir ja noch einiges erfahren.


Mit Whiskey zur Unsterblichkeit


Zum Beispiel, wie das kam, dass Granddaddy Jake und sein ellenlanger Enkel Tiny in den Kalifornischen Hügeln gemeinsam auf einer Ranch wohnen (wäre zu lang, um es hier nachzuerzählen), warum Granddaddy Jake so sehr auf seinen hochprozentigen Whiskey „Old Death Whisper“ schwört (weil, wer ihn trinkt, die Unsterblichkeit erlangt) und dass es Tinys größtes Begehr ist, die Hügel mit ordentlichen Zäunen zu säumen (ein ebenso unsinniges, wie ihn glücklich machendes Unterfangen). Dann kommt Fup hinzu (die nicht fliegen kann, weil sie eben nun mal zu erdenschwer ist) und der Eber Lockjaw (der die begrenzenden Zäune kaputt machen will und wahrscheinlich die Reinkarnation des alten Indianers Johnny Seven Moons ist).


Nachdenken über die eigene Transzendenz


Diese (wie man sieht nur scheinbar so einfache) Geschichte birgt tatsächlich die Essenzen des Lebens. Und als zum Schluss also Granddaddy (trotz Unsterblichkeitselixier) stirbt, ebenso wie und Fup und der Eber Lockjaw, da bleibt es völlig offen, ob es den Tod wirklich gibt und in welche Welten wir nach unserem physischen Ende eingehen. Es scheint ja eher so, als gäbe es den Tod nicht.
Fup jedenfalls fährt vor Tinys Augen erst als Lichtpunkt und dann in „einer vollkommenen Spirale“ in den Himmel. Jim Dodges Geschichte gibt diese jenseitigen Momente vor, Christoph Diem bringt sie gemeinsam mit dem Ensemble und der Musik zum Glitzern. Was ist wahr? Wie ist die Welt eigentlich wirklich? Dies ist eher ein Abend über die Unsterblichkeit als über den Tod. Selten wird man auf so komische Art und Weise dazu bewegt, über die eigene Transzendenz nachzudenken.

Eine Rezension von Anke Schaefer

 Besetzung:

"Granddaddy" Jake Santee Gertrud Kohl
Jonathan Adler "Tiny" Makhurst II. Merten Schroedter
"Johnny" Seven Moons Boris Pietsch

 

 


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